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ML, SPD, Grüne und LTK bekennen sich im Kulturausschus zum Nationaltheater

Mannheimer Morgen

Leidenschaftlicher Appell fürs Nationaltheater bei einem ungewöhnlichen Auftritt von Schauspielerin Ragna Pitoll im Kulturausschuss. Wie lange die Intendantenverträge noch laufen.

Als „pulsierendes Herz und kreatives Zentrum der Stadt“ sieht sich das Nationaltheater. „Hier machen Menschen etwas mit Menschen für Menschen“, so Schauspielerin Ragna Pitoll: „Natürlich wissen wir: Gut ist nicht gut genug, aber wir arbeiten auf Hochtouren“, appellierte sie an den Kulturausschuss des Gemeinderats, das Haus weiter zu unterstützen.

 

So viel Leidenschaft ist selten zu erleben in diesem Gremium. Ragna Pitoll, seit 2003 im Ensemble des Nationaltheaters und auch immer wieder in Film- und Fernsehrollen zu sehen, war sichtlich aufgeregt, viel aufgeregter als sonst auf der heimischen Bühne. Aber sie stand ja auch erstmals mit dem Mikrofon in der Hand im Ratssaal, vor einem besonderen Publikum.

Und dann gab es auch noch eine technische Panne, sodass der Film über die Vielfalt des Nationaltheaters erst gar nicht und dann nur teilweise lief, den die Theaterleute eigens für die Stadträte gemacht hatten. Geplant ist der schon über ein Jahr – aber nun bekam er ebenso wie Pitolls Auftritt vor dem Gremium durch die anstehenden Sparmaßnahmen im Nationaltheater große Aktualität. „Sie reden meist mit den Intendanten“, so Pitoll zu den Stadträten, aber nun wollten die Mitarbeiter mal „Danke sagen“ für die Unterstützung und die Ersatzspielstätten. „Wir wissen, dass das keinesfalls selbstverständlich ist!“

Die Schauspielerin verwies dann darauf, dass am Haus über 800 Menschen aus 48 Nationen arbeiteten und täglich dafür sorgten, dass Menschen sich begegnen könnten, und zwar analog. Hinzu kämen 130 Statisten zwischen sechs und 82 Jahren und 130 Mitglieder des Kinderchores in drei Altersstufen. Das Internationale Opernstudio sei Talentschmiede für junge Sänger aus aller Welt, das Theater mache Angebote für kleine Kinder ab dem sechsten Monat und dann quer durch alle Altersgruppen. Dabei würden Kinder und Jugendliche erreicht, „deren Eltern noch nie im Theater waren“, nicht nur Eliten.

Zudem verwies Pitoll auf Angebote passend zu Lehrplänen und Abituraufgaben, auf Kooperationen mit anderen Kultureinrichtungen, Auftritte bei Festen, Benefizaktionen sowie die große Tradition des auf das Jahr 1779 zurückgehenden Hauses. „Wo immer wir in die Stadt hineinwirken können, da tun wir das“, erklärte sie. „Wir suchen nach neuen Wegen, neues Publikum zu gewinnen und treues möglichst nicht zu verlieren“, so Pitoll.
„Fortbestand des Theaters wird nicht infrage gestellt“

„Die Premiere ist gelungen“, kommentierte Kulturbürgermeister Thorsten Riehle den Auftritt der Schauspielerin. Von „großartig und wunderbar“ sprach Heidrun Kämper (SPD). „Die Begeisterung kam rüber“, lobte Achim Weizel (ML). „Beeindruckend“, meinte Gerhard Fontagnier (Grüne), merkte aber an: „Das Theater ist ein Aktivposten der Gesellschaft, aber die Solidarität ist gebröckelt“. Auch Andreas Parmentier (LTK) bekannte sich zum Theater, während Sprecher von CDU, AfD und FDP sich nicht äußerten. Riehle räumte ein, dass sich das Theater angesichts der Finanzlage der Stadt in „schwierigem Fahrwasser“ befinde. „Aber elementare Dinge, und dazu gehört der Fortbestand des Nationaltheaters, werden dem Grunde nach nicht infrage gestellt“, so der Bürgermeister. Man müsse nun „zusammenhalten, aber wo es harte Wahrheiten braucht, diese auch aussprechen“.

Details der Sparauflagen für das Theater wurden ebensowenig diskutiert wie die Frage, ob weiter fünf Intendanten das Haus leiten sollen. Das soll in den nächsten Monaten entschieden werden. Dabei müssen bei künstlerischen Intendanten 24 Monate vor Ablauf der Verträge Gespräche über die Fortsetzung aufgenommen werden, beim Geschäftsführenden Intendanten 15 Monate vor Ablauf. Die Verträge von Ulrike Stöck (Junges Nationaltheater) und Tilmann Pröllochs (Geschäftsführender Intendant) enden am 31. August 2027, die anderen am 31. August 2028. Opernintendant Albrecht Puhlmann hat angekündigt, 2028 ausscheiden zu wollen.