85. Geburtstag von Prof. Dr. Achim Weizel: Sehr geschätzt und oft präsent
- Mannheimer Morgen
Geburtstag: Warum der Mediziner und ML-Stadtrat Achim Weizel mit 85 Jahren weiter so engagiert ist.
Er geht am Stock, setzt sich nicht mehr hinter das Steuer eines Autos – aber wer mit ihm redet, der spürt das Alter nicht: ML-Stadtrat Achim Weizel wird zwar 85 Jahre alt, aber er ist weiter enorm engagiert, eloquent und präsent sowie aktiver als mancher deutlich jüngere Stadtrat. Auch in ein neues Gebiet hat er sich schnell eingearbeitet: Seit er nur noch mit Bus und Bahn unterwegs ist, weiß er auch, welche Linien er selbst zu entlegenen Terminen in Mannheim nehmen muss.
Nach 17 Jahren als Fraktionschef der Mannheimer Liste im Gemeinderat hatte Achim Weizel zwar 2023 sein Amt an Holger Schmid abgegeben. Aber das war nur der Rückzug aus der ersten Reihe, nicht ganz aus der Politik. 2024 trat Weizel bei der Kommunalwahl wieder an und wurde mit mehr als 20.000 Stimmen und 2500 Stimmen Abstand zu seinen Kollegen wiedergewählt. „Die Wähler haben also gewollt, dass ich weitermache“, sagt Weizel, „und ich fühle mich fähig, es macht Spaß und es ist genug Arbeit zu tun angesichts der Lage und mit nur drei ML-Stadträten in der Fraktion“, sagt Weizel.
Dabei ist er für seine Sachkenntnis gerade bei komplexen Fragen wie der Zukunft des Universitätsklinikums ebenso bekannt wie geachtet. Auch bei anderen Themen fuchst er sich bis in letzte Details hinein, lässt sich Vorlagen – wo nötig – direkt von Amtsleitern oder Geschäftsführern von Tochtergesellschaften erklären. Das macht kaum jemand. Obgleich er für pointierte Wortbeiträge bekannt ist und mit Kritik an der Verwaltung nicht spart, wird er über Parteigrenzen hinweg hoch geschätzt. Und er macht jeden Spaß mit – sogar zur Time Warp ging er, um sich zu informieren, als ältester Rapper...
Als er vor über 20 Jahren in der Kommunalpolitik anfing, hätte er das nicht nötig gehabt. Er war fachlich wie menschlich hoch geachteter, erfolgreicher habilitierter Mediziner, gefragt in Fachgesellschaften, etwa als Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen, und Experte unter anderem für Cholesterin. Über die Innere Medizin hinaus war er im Management tätig, als Chefarzt und Ärztlicher Direktor des Diakoniekrankenhauses, sowie in der Ärztekammer und bei Fortbildungen von Kollegen. Zudem stand der populäre Mediziner seit 1994 an der Spitze der Freunde und Förderer des Nationaltheaters, die in seiner bis 2021 währenden Ära enorm gewachsen sind und vielfältige Aktivitäten entfaltet haben.
Aber Mannheim habe ihm etwas gegeben, nun wolle er etwas zurückgeben – so seine Begründung damals wie heute für sein großes Engagement. Schließlich wird der gebürtige Hamburger trotz zeitweise schwäbischer Sozialisation längst als Mannheimer akzeptiert, ja hoch geschätzt und zählt zu dem Dreiergremium, das über die Verleihung der höchsten bürgerschaftlichen Auszeichnung – den Bloomaulorden – entscheidet. Politisch entschied er sich damals bewusst nicht für eine Partei, sondern für die unabhängige, aber bürgerlich geprägte Mannheimer Liste. Denn er wollte und will in der Sache etwas für Mannheim bewegen, zumal es in seinen Politikfeldern Gesundheit und Kultur kaum noch Stadträte gibt, die mit so viel Kompetenz und Präsenz aufwarten können.
Bericht Mannheimer Morgen vom 02.10.2025 / Peter W. Ragge